Der umstrittene Heimbetreiber „Pewobe Berlin Castle“ kündigte Ende März in einer Nacht und Nebel-Aktion 200 Geflüchteten die Unterkunft

Sehr kurzfristig mussten am 28. und 29. März 2017 etwa 200 Geflüchtete ihre Unterkunft in der Bühringstraße (Berlin-Weißensee) verlassen. Die meisten von ihnen hatten zwei Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft gelebt, Ausbildungsplätze gefunden, Kitas und Schulen besucht und sich ein soziales Netzwerk aufgebaut.

Betreiber der Unterkunft in der Bühringstraße ist die „Berlin Castle Betreuung und Begleitung GmbH“, Nachfolgerin der berüchtigten Firma Pewobe, der das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) im August 2016 die Verträge gekündigt hatte. Später weigerten sich die Eigentümer an das LAF zu vermieten. Laut Darstellung des LAF sei daher eine Übernahme des Heims nicht möglich gewesen.

Die Situation ist aktuell eskaliert, weil es u.a. wegen nicht erbrachter Leistungen in den vergangenen Monaten immer wieder rechtliche Auseinandersetzungen zwischen dem Senat und der „Pewobe Berlin Castle“ gab. Für das LAF endet damit endgültig die Verbindung mit diesem Heimbetreiber.

Der umstrittene Heimbetreiber „Pewobe Berlin Castle“ kündigte mit einer Frist von nur drei Tagen an, dass die Geflüchteten dort nicht mehr wohnen könnten. Aber erst einen Tag vorher um 17 Uhr informierte das LAF die Bewohner*innen, dass sie auf andere Unterkünfte in der Stadt verteilt werden. Geflüchtete aus den Balkanstaaten wurden sogar nicht mehr in Pankow, sondern in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Spandau untergebracht. Der Umzug dauerte zwei Tage.

Eine unserer Integrationslotsinnen begleitete den Umzug einer krebskranken Klientin und war geschockt über den Ablauf und die Umstände. Vor allem von Seiten des LAF war der Auszug der Geflüchteten aus dem Heim in der Bühringstraße sehr chaotisch organisiert. So erhielten alle Bewohner*innen ein Schreiben mit dem Inhalt, dass ihre neue Unterkunft wieder mit Herd und Kühlschrank – also der Möglichkeit zum selber kochen – ausgestattet sei. Daraufhin haben sie alle Sachen – auch Geschirr, Töpfe und Nahrungsmittel – eingepackt und in die neue Unterkunft mitgenommen.

Die Realität für die Geflüchteten sah aber dann nach ihrer Ankunft in der neuen Notunterkunft weit draußen in Spandau leider völlig anders aus: Sie durften nur zwei Taschen mit persönlichen Sachen behalten. Der Rest wird zwei Wochen lang eingelagert und danach entsorgt. Auch die versprochene Kücheneinrichtung und Kochmöglichkeit sind dort nicht vorhanden. So war die Mitnahme von Küchenutensilien und Nahrungsmitteln am Ende völlig umsonst.

Ein großes Problem für die Bewohner*innen in der neuen Unterkunft ist auch die fehlende Privatsphäre. Es gibt in Spandau leider keine eigenen Räume, sondern nur provisorisch abgetrennte „Kabinen“, ähnlich wie in den Hangars auf dem Tempelhofer Feld.

Für Familien mit Schulkindern – wo die Kinder vorher im Bezirk Pankow zur Schule gingen – hat das LAF leider überhaupt nicht geprüft, ob für diese Menschen noch Platz in einer Flüchtlingsunterkunft in Pankow statt in Spandau gewesen wäre.

Wir sind empört über die äußerst kurzfristige Ankündigung und die Fehlinformationen, die den Heimbewohnern einen menschenwürdigen Umzug unmöglich gemacht haben. Vollverpflegung statt angekündigter Möglichkeit zur Selbstversorgung, mangelnde Privatsphäre für schwer Kranke und Familien mit Kindern, das eingeschränkte Recht auf lediglich zwei Taschen Privatbesitz – all das nach zwei Jahren einigermaßen menschenwürdiger Lebensumstände. Den Rückschritt kann nicht jeder verkraften.

Insgesamt zeigt dieses aktuelle Beispiel des chaotischen Auszugs der Geflüchteten aus der Bühringstraße, dass besonders das LAF zügig solche Vorgänge so organisieren müsse, dass nicht die betroffenen Menschen die Leidtragenden sind. Vor allem für eine bessere Koordination der Berliner Flüchtlingspolitik im Interesse der Geflüchteten ist das Handeln der zuständigen Senatorin Elke Breitenbach in den nächsten Wochen und Monaten gefordert.