Melanie uns Jens - Absolventen der LEO Auslandspraktikum

Ein Praktikum im Ausland? Kein Problem!

Interview

Viele junge Menschen wünschen sich während oder nach Beendigung ihrer Ausbildung ein Praktikum im Ausland, um sich sprachlich und beruflich weiterzuqualifizieren, Auslandserfahrung zu sammeln, interkulturelle Kompetenz zu erwerben und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Oft fehlen allerdings die finanziellen Mittel, das entsprechende organisatorische Know-how und die Zeit, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Um diese Hürden abzubauen und Auszubildenden und Ausgebildeten die wichtige Erfahrung eines berufsbezogenen Auslandsaufenthaltes zu ermöglichen, nimmt OASE Berlin e.V. seit 2006 an LEONARDO DA VINCI, dem Programm der Europäischen Union für den Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung, teil. LEONARDO DA VINCI bietet unter anderem die Möglichkeit einer finanziellen und organisatorischen Unterstützung für berufsbezogene Praktika im europäischen Ausland. Darüber hinaus beinhaltet das Programm eine intensive Vorbereitung inklusive Sprachkurs und Hilfestellung bei Problemen während des Auslandsaufenthalts.

Melanie und Jens haben dieses Angebot wahrgenommen und mit Hilfe der OASE Berlin und LEONARDO DA VINCI ein Auslandspraktikum absolviert. Wir haben die beiden gefragt, welche Erfahrungen sie mit dem Programm gemacht haben.

Wo und wie habt ihr euer Praktikum absolviert?

Melanie: Ich habe mein dreimonatiges Praktikum am „Palast der Künste“ in Budapest absolviert. Nach meiner Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau war es sehr aufregend, den Veranstaltungsbereich in einer so bekannten und großen Institution kennen zu lernen.

Jens: Ich habe das Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung zum Erzieher gemacht. Ich habe fünf Monate in einem deutschen Kindergarten in Budapest gearbeitet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, über LEONARDO DA VINCI ein Auslandspraktikum zu absolvieren?

Melanie: Ich habe durch eine gute Freundin von dem Programm erfahren, die in der Zeitung etwas darüber gelesen hat. Sie dachte, das sei was für mich und hat mir den Tipp gegeben, mich einfach zu bewerben.

Jens: Ich hatte sowieso vor, ein Auslandspraktikum zu machen. Ich habe dann den LEO-Flyer von meiner Berufsschule bekommen. Und da wurde dann auch eine Förderung eines Praktikums in dem Land angeboten, in das ich wollte.

Warum habt ihr euch entschieden, das Praktikum im Ausland zu absolvieren und nicht in Berlin?

Melanie: Ich habe nach dem Ende meiner Ausbildung keinen Job bekommen. Da ich mir vorstellen kann, auch im Ausland zu arbeiten, war es für mich eine gute Gelegenheit, mich darauf vorzubereiten und außerhalb Deutschlands etwas Berufserfahrung zu sammeln.

Jens: Bei mir war es in erster Linie das Interesse am Blick auf die soziokulturellen Verschiedenheiten und die Unterschiede in der pädagogischen Arbeitsweise. Ich denke, dass ich im späteren Berufleben nur davon profitieren kann, möglichst unterschiedliche Ansätze in der Pädagogik kennen gelernt zu haben. Ich glaube, dass mir dies zum Beispiel bei der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund sehr helfen wird. Ich kann sie mit meiner Auslandserfahrung viel besser unterstützen und ihre Probleme durch die kulturell bedingten Unterschiede besser einschätzen.

Was hat es euch gebracht, ein Auslandspraktikum zu absolvieren?

Melanie: Es war auf alle Fälle sehr interessant zu sehen, wie man in Ungarn Veranstaltungen organisiert. Zumal ich noch nie in einer so großen Veranstaltungsstätte gearbeitet habe, in der es zwei Konzertsäle für insgesamt 2000 Menschen gibt. Da ich während des Praktikums auch in Arbeitsbereiche schauen konnte, die ich in meiner Ausbildung nicht kennen gelernt habe, hat es mir schon eine Menge gebracht.

Was hat euch die Unterstützung durch die OASE und das LEONARDO DA VINCI-Programm bedeutet?

Jens: Es war auf jeden Fall gut, in Budapest einen Ansprechpartner zu haben, wenn man mal Probleme oder Sorgen hatte.

Melanie: Ich fand, es war sehr gut durchorganisiert. Ich glaub, wenn man alles alleine organisiert hätte, wäre es sehr viel Arbeit gewesen, allein schon die Suche nach einer Unterkunft in Budapest, vom passenden Praktikumsplatz ganz zu schweigen.

Jens: Ohne das LEO-Programm wäre auch die Frage der Finanzierung wesentlich komplizierter zu regeln gewesen. Dass man da eine so große Unterstützung bekommen hat, war schon sehr hilfreich. Ich weiß nicht, ob ich es sonst hätte bezahlen können. So konnte ich mich ganz auf meine Ausbildung konzentrieren und musste mich nicht noch um die Organisation vor Ort und die Finanzierung kümmern.

Melanie: Ich fand es auch ziemlich gut, dass es bei der Ankunft in Budapest ein On arrival-Training gab. Da konnte man dann die anderen Teilnehmer kennen lernen, erste Erfahrungen austauschen. Es wurde einem erklärt, an wen man sich wenden konnte und wie der genaue Ablauf ist.

Jens: Es wurden einem auch Sachen gesagt, an die man erstmal nicht denkt, zum Beispiel was man tun muss und wer einem hilft, wenn man mal krank wird. Einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, hat schon sehr geholfen.

Was waren eure wichtigsten Erfahrungen vor Ort?

Melanie: Ich nehme ganz viel Fachliches mit. Vor allem Sachen, über die ich mir nie Gedanken gemacht habe, weil man sie in Deutschland ganz automatisch so macht. Wenn man dann sieht, wie es z.B. in Ungarn organisiert wird, bemerkt man erst die Unterschiede in der jeweiligen kulturellen Bedeutung. Der Perspektivenwechsel lässt einen schon viel erkennen, auch über sich selbst. Außerdem habe ich sehr viele tolle Menschen kennen gelernt. Das war wohl die beste Erfahrung, die möchte ich auf keinen Fall missen. Darüber hinaus gab es natürlich sehr viel Kulturelles zu entdecken. Von der Musik, über die Sprache und Lebensweise, das Essen… ungarisches Essen ist toll!

Jens: Das ist bei mir ganz ähnlich. Ich hab die Kultur zu schätzen gelernt, mein Ungarisch verbessert, viele Menschen getroffen, die zu Freunden geworden sind. Das war schon etwas, dass man so nur in einem längeren Auslandsaufenthalt kennen lernt.

Melanie: Man muss vielleicht noch sagen, dass sich nicht nur mein Ungarisch verbessert hat, sondern auch mein Englisch. Wir haben in Budapest viel Englisch gesprochen und man lernt Sprachen einfach viel schneller und besser, wenn man sie jeden Tag benutzt, gerade im fachlichen Bereich. Ich kann jetzt zum Beispiel ohne Probleme einen Geschäftsbrief auf Englisch schreiben. Das ging mir vorher nicht so leicht von der Hand.

Was würdet ihr anderen raten, die ein Auslandspraktikum planen?

Melanie: Man sollte sich auf jeden Fall genau überlegen, in welches Land man möchte. LEO bietet da ja verschiedene Ziele an. Wenn man sich nicht gut auf das Land vorbereitet, kann das schnell zu Frust und Enttäuschung führen. Dann geht einem natürlich viel verloren.

Jens: Ja, das stimmt. Man sollte sich frühzeitig überlegen, wo man hin will und sich nicht auf den letzten Drücker um alles kümmern und dann vor Ort merken, dass es nicht das ist, was man wirklich machen wollte. Das gilt vor allem für die entsprechende sprachliche Vorbereitung. Wenn die stimmt, dann ist man auch viel motivierter und kann viel mehr aus dem Auslandsaufenthalt mitnehmen.

Melanie: Und ich finde, man sollte das Praktikum auch wirklich machen wollen und nicht denken, man macht ein paar Monate Urlaub. Es gibt bei einem längeren Aufenthalt im Ausland immer mal Tage, an denen man etwas Heimweh bekommt und seine Freunde vermisst. Das gehört dazu. Aber daran wächst man auch.

Hattet ihr so was wie einen „Kulturschock“?

Melanie: Ja, beim Essen ein bisschen. Aber das war gar nicht schlimm, eher interessant…

Jens: Eigentlich nicht, ich hab mich durch die Betreuung vorab und vor Ort gut auf die Veränderung vorbereiten und einstellen können.

Würdet ihr noch mal ein Auslandspraktikum mit LEONARDO DA VINCI machen?

Jens: Auf jeden Fall. Das war schon super.

Melanie: Ganz sicher, das war die richtige Entscheidung.

Vielen Dank für das Gespräch.